Archiv für den Monat: November 2013

Schnelligkeitstraining in Form von Partnerübungen

Der Falkenberg

Das bekannteste Übungsbeispiel im Tischtennis für ein Schnelligkeitstraining ist der sog. Falkenberg. Der Name dieser Übung ist auf einen Trainingsstützpunkt in Schweden zurückzuführen, an dem diese Übung erfunden wurde. Es wird überwiegend Beinarbeit trainiert. Durch Variationen kann auch Ausdauer und Technik trainiert werden.

Bei dieser Übung ist Spieler A immer der Zuspieler. Seine Aufgabe ist es zu kontern, oder zu blocken. Spieler B ist der agierende Spieler. Er spielt je nach Leistungsniveau Konter oder Topspin. In der Beschreibung wird nur die Schlagart Konter erwähnt. Ambitionierte Spieler sollten den Topspinschlag überwiegend trainieren. Die Übung hat eine bestimmte Schlagreihenfolge, die wie folgt auszusehen hat:

Spieler B beginnt mit einem langen diagonalen Konteraufschlag von seiner Rückhandseite in die Rückhandseite von Spieler A. Spieler A kontert diagonal in die Rückhand (RH) von Spieler B. Als nächstes kontert Spieler B mit der RH ebenfalls in die RH seines Trainingspartners. Dieser spielt nochmals RH-Konter diagonal in die Rückhand worauf Spieler B mit der Vorhand (VH) mit einem Konterschlag agiert, der wiederum diagonal in die RH gespielt wird. Spieler A spielt nun parallel in die weite VH von Spieler B und dieser spielt VH-Konter parallel in die RH seines Trainingspartners. An diesem Punkt ist die Übung einmal durchgelaufen. Die Aufgabe von Spieler A ist es nun erneut diagonal in die RH von Spieler B zu spielen, sodass die Übung von vorn losgehen kann.

Falkenbergvariationen

• Spieler B spielt die RH jeweils als Konter und die VH als Topspin
• Spieler B spielt jeden Ball als Topspin
• Spieler B spielt den Ball aus der weiten VH diagonal (beste Übung für das Training der reinen Schnelligkeit)
• Nachdem die Übung einmal durchgelaufen ist, spielt Spieler B den letzten Rückhandschlag aggressiv als Endschlag parallel
• Spieler A überrascht Spieler B mit ungeplanten Bällen, sodass der reguläre Ablauf der Übung unterbrochen ist und er reagieren muss

Schnelligkeitstraining mit Ball

Schnelligkeitstraining mit dem Balleimer

Prinzipiell ist es sinnvoll diese Übungen direkt nach der Erwärmung durchzuführen. Wichtig ist wieder, dass mit maximaler Belastungsintensität und vollständiger Pause gearbeitet wird. Es eignet sich besonders das Balleimertraining. Dabei steht ein Trainingspartner mit einer Kiste voller Bälle neben dem Tisch. Er spielt ca. neun Bälle ein. Die Bälle müssen von dem Übenden mit hohem Krafteinsatz als Topspin oder Schuss gespielt werden. Der Trainingspartner, der für das Einspielen der Bälle zuständig ist, platziert sie wie folgt im Wechsel:

Variante 1 (alles soll mit der Vorhand gespielt werden):

• Einfach: Weite Vorhand, Mittellinie
• Etwas schwerer: mittleren Bereich der Vorhand, mittlerer Bereich der Rückhand
• Ganz schwer: weite Vorhand, weite Rückhand
• Kurz in die Vorhand (Flip), Tischmitte (Topspin)

Variante 2 (Vorhand im Wechsel mit der Rückhand):

• Mittlerer Bereich der Vorhand (mit Vorhand spielen), mittlerer Bereich der Rückhand (mit Rückhand spielen)
• Weite Vorhand (mit Vorhand spielen), weite Rückhand (mit Rückhand spielen)
• Weite Vorhand (mit Vorhand spielen), weite Rückhand (mit Rückhand spielen)
• Kurze Vorhand (als Flip spielen), Tischmitte (mit Vorhand spielen), weite Vorhand (mit Vorhand spielen), weite Rückhand (mit Rückhand spielen)

Schnelligkeitstraining ohne Ball – Teil 2

Schattenlauf

Die Übenden gehen Partnerweise zusammen und nehmen dabei ihren Tischtennisschläger mit. Sie stehen sich gegenüber, sodass sie sich ansehen können. Teilnehmer eins ist der Schatten von Teilnehmer zwei. Dies bedeutet, dass er jede Bewegung, die Teilnehmer 2 vorgibt nachmacht. Nach dem Startsignal des Trainers bewegt sich Teilnehmer 2 mittels Sidesteps bzw. Sidejumps mit maximaler Schnelligkeit nach links oder rechts. Ihm ist frei gestellt, wie oft er Richtungswechel durchführt und seinen Partner reagieren lässt. Der Tischtennisschläger kann währen des Schnelligkeitsspiels ebenso bewegt werden. Teilnehmer 1 muss auch diese Bewegung wie ein Spiegel nachmachen. Nach 20 Sekunden wird die Übung vom Trainer beendet. Es erfolgt eine Pause von mindestens einer Minute, bevor Teilnehmer 2 der Schatten von Teilnehmer 1 wird. Die Übung wird insgesamt wieder Vier bis Sieben mal wiederholt.

Hütchensprints

Im Tischtennis kommen Sprints nur selten vor, aber ein schneller Antritt ist öfter notwendig. Um diesen zu trainieren eignen sich zum Beispiel Hütchensprints. Dazu werden vier Hütchen in einem Viereck und einem Abstand von zwei bis drei Metern auseinander gestellt. Nach dem Startsignal werden diese schnellstmöglich angelaufen kurz gestoppt und ein nächstes angelaufen. Die Übung sollte ca. 20 Sekunden dauern und danach eine vollständige Erholung stattfinden.

Variationen:

• Hütchen mit Nummern versehen. Der Trainer ruft eine Nummer nach jedem erreichten Hütchen auf (Reaktionsschnelligkeit wird mit trainiert)
• Es wird immer eine Acht abgelaufen d.h. es wird immer im Wechsel diagonal, parallel gelaufen
• Alle Hütchen werden wie in einem Kreis angelaufen
• Es darf frei variiert werden, welche Hütchen angelaufen werden
• Wettkampf – wer schafft es in einer vorgegebenen Zeit die meisten Hütchen anzulaufen

Schattentraining

Beim Schattentraining werden verschiedene Schlagfolgen ohne Ball trainiert. Dazu eignen sich Gewichtsschläger (DIESE KANN EUER AUFTRAGGEBER VERKAUFEN) und Gewichtskettchen (KANN ER AUCH ANBIETEN) am Fuß.

Es wird eine bestimmte Schlagfolge ca. 10 – 20 Sekunden mit maximaler Intensität durchgeführt. Danach erfolgt eine Pause und die Übung wird 5-8 mal wiederholt.

Variationen:

• Topspin mit der Vorhand
• Topspin mit der Rückhand
• Topspin mit der Vorhand – Topspin mit der Rückhand im Wechsel (Wechsel der Beinstellung beachten
• Topspin mit der Vorhand – 2 Sidesteps nach links – Topspin mit der Vorhand (diese Übung wird immer im Wechsel ausgeführt)
• Topspin mit der Vorhand – 2 Sidesteps nach links Topspin mit der Rückhand (diese Übung wird immer im Wechsel ausgeführt)
• Schussfolge mit der Vorhand oder mit der Rückhand (alle vorher beschriebenen Variationen sind ebenfalls als Schattentraining mit der Simulation des Schusses geeignet)

Um die Schnelligkeit weitergehend sportartunabhängig zu trainieren eignen sich zahlreiche weitere Übungen. Wenn die Trainingszeit auf ca. 20 Sekunden gekürzt wird und nach jeder Übung eine Pause von ca. 2-3 Minuten eingelegt wird sind diese Übungen auf für das Schnelligkeitstraining im Tischtennis geeignet.

Schnelligkeitstraining ohne Ball – Teil 1

Vierpfostenlauf

Diese Übung wird als Partnerübung in Form eines kleinen Wettkampfes durchgeführt, um die Motivation zu steigern. Startpunkt eines jeden „Spielers“ ist eine Seite des Netzes (siehe Zeichnung). Nach einem Startzeichen des Trainers ist es das Ziel so oft wie möglich das Netz zu berühren. Es zählt immer nur eine Netzberührung auf der gegenüberliegenden Seite. Die Laufbewegung sollte in Form von Sidejumps ausgeführt werden, da diese oftmals im Wettkampf angewendet werden. Es sollten 3-5 Wiederholungen durchgeführt werden. Dazwischen findet jeweils eine Pause von einer Minute statt.

Variationen:

• Der Wettkampf wird durchgeführt bis der schnellere „Spieler“ 5 Netzberührungen geschafft hat.
• Der Wettkampf wird über einen bestimmten Zeitraum durchgeführt.
• Der Wettkampf wird über einen unbestimmten Zeitraum durchgeführt (der Trainer bestimmt die Zeit, wann der Wettkampf beendet ist).

Die Nähmaschine

Der Begriff Nähmaschine ist eine Metapher. In stehender Position sollen die Füße wie eine Nähmaschine schnellstmöglich auf und ab bewegt werden. Dabei heben die Füße nur minimal ab und es wird versucht eine sehr hohe Trittfrequenz einzuhalten. In ganz kleinen, schnellen Schritten bewegt sich der Trainierende ca. 20 Sekunden (bei Kindern eher 10 Sekunden) am Boden. Danach erfolgt eine Pause von mindestens einer Minute bevor die Übung wiederholt wird. Insgesamt empfiehlt es sich 4-7 Wiederholungen durchzuführen, bevor das tischtennisspezifische Training beginnt.

Varianten:

• Zwei Trainierende stehen sich gegenüber (zusätzliche Motivation und Spaßfaktor)
• Im Laufe der 20 Sekunden soll eine Strecke von 1 m abgelaufen werden
• Alle Trainierenden bilden einen Kreis. Einer beginnt die Übung zu machen, nach 10 Sekunden tippt er seinen Vordermann an, sodass er die Übung ausführt. So ist jeder im Kreis einmal dran und hält die geforderte Pause automatisch ein.

Wettlauf um eine Bande

Die Trainierenden gehen Partnerweise zusammen und nehmen sich zusätzlich eine Absperrbande. Diese Band stellen sie zwischen sich, sodass eine Person in der Mitte links von der Bande und eine Person in der Mitte recht von der Bande steht. Nach dem Startzeichen des Trainers ist es das Ziel seinen Trainingspartner mittels Sidesteps oder Sidejumps einzuholen. Dabei ist es wichtig, dass sich beide Partner in die gleiche Richtung bewegen. Sollte es keinen Gewinner geben, beendet der Trainer die Übung nach 20 Sekunden. Danach erfolgt wieder eine vollständige Pause von Mindestens einer Minute.

Daumenlauf

Alle Trainierenden stellen sich versetzt in einer Reihe auf, sodass sie sich bei seitlichen Bewegungen nicht gegenseitig behindern. Der Trainer steht frontal vor allen Teilnehmern. Zu Beginn stellt er seinen Daumen aufrecht und zeigt ihn in die Richtung der Teilnehmer. Der Daumen gibt die Bewegungsrichtung vor, in welche sich die Übenden mittels Sidesteps bzw. Sidejumps so schnell wie möglich bewegen sollen. Nach dem Startsignal bewegen sich die Trainierenden 20 Sekunden in die Richtung die der Trainer vorgibt. Dieser sollte oftmals die Bewegungsrichtung ändern, um gleichzeitig die Reaktionsschnelligkeit zu schulen. Nach 20 Sekunden erfolgt wieder eine vollständige Pause.